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Startseite > Orte > Die Stiftsruine

Die Stiftsruine.
Eine der schönsten Freilichtbühnen der Welt

Die Bad Hersfelder Festspiele sind untrennbar mit ihrer berühmten Spielstätte verbunden. Die Stiftsruine hält  als historischer Theaterort mühelos dem Vergleich mit der Arena von Orange, dem Papstpalast von Avignon oder der Felsenreitschule in Salzburg stand. Diese magische Kulisse ist es nicht zuletzt, der die Festspiele ihren festen Platz im europäischen Festivalkalender verdanken. Seit 1951 lockt die Ruine jährlich berühmte Darstellerinnen und Darsteller aus Theater, Film und Fernsehen auf die Bühne.

Die Stiftsruine ist heute die größte romanische Kirchenruine der Welt. Sie misst 102,8 Meter von Osten nach Westen, das Querschiff ist 55 Meter und das Kirchenschiff 46,8 Meter lang. Der Querschiffbogen erreicht eine Höhe bis zu 22,5 Metern. Ein Vergleich macht die Dimensionen anschaulich: Der Dom zu Speyer würde komplett in die Mauern der Ruine passen.

Die Bühne breitet sich auf 60 m Länge mit 1.400 m² im Querschiff aus. Sie wird - wie auch die 1.600 Zuschauer fassende Tribüne - in jedem Frühjahr in und auf die alten Gemäuern gebaut und nach Ende der Saison im August wieder abgetragen. Aus Gründen des Denkmalschutzes dürfen die Einbauten nicht das ganze Jahr über in der Ruine bleiben.

Im Jahre 1968 fügte der Architekt Frei Otto, der später für seine Konstruktion des Daches im Olympiastadion München berühmt wurde, der Kirchenruine ein mobiles Dach hinzu. Es kann innerhalb weniger Minuten so ausgefahren werden, dass die Zuschauerränge vollständig vor Regen und Sturm geschützt sind. Die Schauspielerinnen und Schauspieler allerdings müssen dem Wetter trotzen – was sie seit 1951 auch fast immer getan haben. Nur ein einziges Mal – im August 2009 - musste bislang eine Vorstellung wegen extremen Regenfällen abgesagt werden.



Geschichtliches
Die Gründung des Klosters Bad Hersfeld - und damit auch der Stiftsruine - geht auf das Jahr 769 und den Erzbischof von Mainz, Lullus zurück, dem bis heute mit dem Lullusfest gedacht wird. Er machte aus der vorhandenen Einsiedelei eine Benediktinerabtei und errichtete die erste größere Kirche auf dem Gelände. Diese Klostergründung entsprach den Plänen des Königs Karl (später Karl der Große), der mit Lullus von Hersfeld aus die Unterwerfung und Christianisierung der Thüringer und der Sachsen betrieb. Das Hersfelder Kloster wurde damit zu einem vom Kaiser mit viel Macht und Einfluss ausgestatteten Missionszentrum.

Unter Abt Bun begann der Bau einer karolingischen Basilika die jedoch durch einen großen Brand 1038 fast vollständig zerstört wurde. Es folgte der sofortige Wiederaufbau des Klosters, das zunehmend an Bedeutung für Thüringen und doch ihren historischen Höhepunkt erlebte die Abteil erst etwa hundert Jahre später unter Abt Heinrich I. von Bingarten (1127–1155), der König Konrad III nahestand. Die im romanischen Stil neu erbaute Stiftskirche wurde 1144 in Anwesenheit des Königs geweiht.

Die Reformation kam unmittelbar mit Martin Luther nach Bad Hersfeld. Auf dem Weg vom Reichstag in Worms zur Wartburg predigte er am 2. Mai 1521 auf Einladung des Hersfelder Abtes Krato in der Stiftskirche. Schon zwei Jahre später gehörten viele im Machtbereich der Abtei dem protestantischen Glauben an; ab 1525 wurde der Bau nicht mehr als katholisches Gotteshaus genutzt. Die Ereignisse rund um den Bauernkrieg und die sich verschärfenden Gegensätze der Konfessionen im Vorfeld des 30-Jährigen Krieges machten die politischen und religiösen Verhältnisse in der Abtei Hersfeld sehr kompliziert. Im Dreißigjährigen Krieg zogen noch einmal kurzzeitig Mönche ein, doch zu einem geregelten Klosterbetrieb kam es nicht mehr. Im Siebenjährigen Krieg 1761 wurde die als Kornspeicher genutzte Stiftskirche von abziehenden französischen Truppen in Brand gesteckt und gilt seitdem als die „Stiftsruine“.

Die Idee an diesem Ort Theater zu spielen, hat eine lange Tradition. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nutzen die Hersfelder Bürger die Ruine als Veranstaltungsort für Konzerte, Feiern, Lesungen und politische Kundgebungen. Später gab es hier vaterländische Spiele, Romanadaptionen und frühe Filmvorführungen.

Aufbauend auf dieser Laienspieltradition versuchte der Direktor des Hersfelder Gymnasiums, Konrad Duden um 1896 Volksfestspiele zu etablieren. Seine Initiative scheiterte zwar, führte aber zur Gründung des Festspielvereins Hersfeld e.V. im Jahr 1902. Auf dem Spielplan standen bis 1939 vor allem Stücke mit regionalem Bezug, die eigens für die Stiftsruine geschrieben wurden, aufgrund der guten Akustik aber auch musikalische Melodramen und Konzerte, was durch den sich entwickelnden Kurbetrieb noch befördert wurde.

Als Geburtsstunde der Bad Hersfelder Festspiele kann die Goethe-Festspielwoche im September 1949 gelten. Initiiert von wenigen kulturinteressierten Bürgern und unter der Leitung von Franz Ulbrich, zu dieser Zeit Regisseur in Kassel, war sie Wegbereiter für die ab 1951 jährlich stattfindenden Bad Hersfelder Festspiele. Mysterienspiele nach dem Vorbild von Salzburg sollten es werden, und kein geringerer als Johannes Klein, Schüler des großen Max Reinhardt, setzte sich zusammen mit kulturinteressierten Hersfelder Bürgern dafür ein. Unter seiner Intendanz und nicht zuletzt durch seine guten Verbindungen zum Burgtheater, dessen Darsteller im Sommer in Bad Hersfeld auf der Bühne standen, wurde der Ruhm der Festspiele begründet. Johannes Klein war es auch, der die anbrechende Dunkelheit in der Freilichtbühme erstmals als dramaturgisches Element zum Einsatz brachte.

Bundespräsident Theodor Heuss übernahm 1952 die Schirmherrschaft der Festspiele. Bis 2009 fanden die Festspiele jährlich unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten statt. 


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