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Pressemitteilung vom 25.03.2020
Magistrat berät zur Festspielen 2020

Bad Hersfeld. Die Mitglieder des Magistrates haben sich in einer Telefonkonferenz am Dienstagabend unter anderem mit dem Thema Bad Hersfelder Festspiele 2020 befasst. Insbesondere ging es um die mögliche Absage der Großveranstaltung.

Dem Gremium ist bewusst, dass eine schwierige Situation mit einem gewissen Zeitdruck besteht. Umso mehr müsse jetzt aber verantwortungsvoll und mit Sorgfalt vorgegangen werden.

Bürgermeister Thomas Fehling dazu: „Abgesagt ist schnell – aber dies zu entscheiden, ohne zumindest eine ausreichende Abwägung von Entscheidungsmöglichkeiten und Rahmenbedingungen zu diskutieren, wäre einfach sehr fahrlässig. Diese wenigen Tage haben wir noch und wir sollten sie nutzen. Darüber bestand im Magistrat Einigkeit.“

Gestützt wurde diese Aussage von Intendant Joern Hinkel und der kaufmännischen Leiterin Andrea Jung, die den Magistratsmitglieder einen ausführlichen Sachstand zur aktuellen Lage der Festspiele gaben. Nach dem Motto „Wir arbeiten weiter!“ stehen z.B. für das technische Personal in den nächsten 10 Tagen ohnehin noch Tätigkeiten an Material und Einrichtungen an, die auch für die kommenden Jahre genutzt werden.

Für die finanziellen Folgen einer Festspiel-Absage muss vor einer Entscheidung mit den Fördergebern geklärt werden, ob deren Finanzmittel erhalten oder verschoben werden können. Nicht nur in diesem Punkt kann ein Festspiel-Ausfall den städtischen Haushalt durchaus sehr unterschiedlich stark belasten.

Dieser Dialog mit Bund, Land und Kreis laufe bereits. Begleitend hatte der Bürgermeister mit dem hiesigen Bundestagsabgeordneten und Europa-Staatsminister Michael Roth Kontakt aufgenommen und um Unterstützung auf Bundesebene gebeten.

Fehling abschließend zur Diskussion: „Es geht aber nicht nur um Zahlen. Wenn wir uns den guten Willen aller Beteiligten auch für die nächsten Jahre erhalten wollen, dürfen wir mit einer Absage - die ja schon traurig genug ist - nicht noch unnötig verbrannte Erde bei unseren Sponsoren und Partnern hinterlassen.“

Das gilt in besonderem Maß auch für die bis zu 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei den Festspielen. “Wir können nicht die Menschen, die den Festspielen jahrelang großartige Dienste geleistet haben, so mir nichts dir nichts in die Arbeitslosigkeit schicken. Hier müssen wir vor einer Entscheidung zu fairen Lösungen kommen.“ so das Credo des Magistrates.

Die nächste Magistratssitzung wird wieder regulär am kommenden Montagabend stattfinden.

Verantwortlich für den Inhalt: Bürgermeister Thomas Fehling

 

Petra Roth und Dieter Voss an der Spitze des Freundeskreises

Ein starkes Team an der Spitze wird die „Freunde der Bad Hersfelder Festspiele“ e.V. die nächsten zwei Jahre begleiten: Petra Roth, Frankfurts Oberbürgermeisterin a.D., wurde zum dritten Mal in ihrer Funktion als Vorsitzende bestätigt. Neu im Amt ist ihr Stellvertreter, hr-Moderator Dieter Voss, der sowohl etlichen Radiosendungen auf hr4 seine Stimme verleiht, aber ebenso präsent im hr-Fernsehen ist, unter anderem die Zuschauer in „Herrliches Hessen“ mit auf Reisen nimmt. Die beiden Vorsitzenden werden als Netzwerker und Repräsentanten die Bad Hersfelder Festspiele, wann immer es geht, in den Fokus rücken.

Eine Mitgliederversammlung via Telefon machte es möglich, den angepeilten Termin trotz Corona-Zeiten stattfinden zu lassen und die wichtigsten Punkte einer Jahreshauptversammlung abzuarbeiten. In diesem Jahr standen die Vorstandswahlen auf der Agenda. Zudem wollte der Freundeskreis schon im Vorfeld der Saison 2020 ein Zeichen setzen. „Auch wenn es bisher ungewiss ist, ob die Festspiele unter diesen Voraussetzungen überhaupt stattfinden können, sollte klar sein, wir stehen als Freundeskreis hinter jeder Entscheidung und werden diese mittragen“, erklärte Petra Roth . Auch Dieter Voss schloss sich diesen Worten an und betonte, er sei seit vielen Jahren den Bad Hersfelder Festspielen herzlich verbunden, berichte immer wieder in seinen Sendungen über das einzigartige Theatererlebnis in der Stiftsruine.

In ihren Vorstandsämtern bestätigt wurden Schatzmeisterin Sonja Fuhrmann (Frankfurt) und Schriftführerin Kerstin Kleine (Korbach) . Als Beisitzer fungieren die nächsten beiden Jahre weiterhin Ursula Bouffier (Wiesbaden), Kornelia Müller (Eschwege), Helgo Hahn (Bad Hersfeld). Als Beisitzerin neu hinzugekommen ist Franziska Reichenbacher (Wiesbaden).

Bis heute wurden von dem Freundeskreis knapp 30.000 Euro für konkrete Projekte an die Festspiele übergeben. Aber nicht nur die finanzielle Unterstützung spielt bei den „Freunden der Bad Hersfelder Festspiele“ e.V. eine Rolle. Auch das Bilden von Netzwerken ist in einem Kulturbetrieb, wie es die Bad Hersfelder Festspiele sind, unerlässlich. So geht es ebenfalls um neue Kontakte in Vorstandsebenen und um ein wachsendes Zusammenspiel von Wirtschaft und Kultur.

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Sabrina Weckerlin und Philipp Büttner in GOETHE!

Wir freuen uns, dass zwei der größten Stars der deutschsprachigen Musical-Szene im kommenden Sommer in der Stiftsruine auftreten werden: Sabrina Weckerlin und Philipp Büttner übernehmen die Hauptrollen „Lotte“ und „Goethe“ in der Uraufführung des Musicals GOETHE!.

GOETHE! – das Musical von Gil Mehmert (Buch und Regie), Martin Lingnau (Musik), Frank Ramond (Song-Texte) erzählt die Liebe des Dichters zu Charlotte Buff und den Beginn seiner Karriere und feiert am 10. Juli 2020 Premiere.

Sabrina Weckerlin kennt und liebt das Publikum für Rollen wie DIE PÄPSTIN, die Hauptrolle „Magrid Arnaud“ in MARIE ANTIONETTE und aus Musicals wie DIRTY DANCING, WICKED - DIE HEXEN VON OZ, NEXT TO NORMAL - um nur einige zu nennen. Sie spielt aber nicht nur mit großem Erfolg in sehr vielen Musicals, sondern macht sich auch mit Konzerten einen großen Namen. Ganz oben in den Charts war sie zum Beispiel mit Alexander Klaws mit dem Song ALL I EVER WANT/ALLES WAS ICH WILL vertreten.
In den letzten drei Jahren tourte sie als Solistin mit DISNEY IN CONCERT durch die größten Arenen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Im März 2020 wird sie erneut als Solistin dabei sein und unter anderem ihrem Lieblingscharakter „Elsa“ wieder Leben einhauchen.
Kinobesucher kennen ihre Stimme aus dem erfolgreichsten Animationsfilm aller Zeiten, DIE EISKÖNIGIN 2, hier singt sie die Rolle der „Königin Iduna“.
Im Juni 2019 brachte sie ihr erstes Pop-/Soul Album aus der Feder von Frank Wildhorn heraus.
Vom Musical-Publikum wurde sie vielfach in verschiedenen Medien und Kategorien ausgezeichnet - u.a. als "Schönste Musicalstimme" und "Beste Hauptdarstellerin“.

Philipp Büttner feiert seit Herbst 2016 in der Titelrolle in Disney’s ALADDIN riesige Erfolge – zunächst am Stage Theater Neue Flora in Hamburg und seit März 2019 am Apollo Theater in Stuttgart.
Zuvor erlebten Musicalfans ihn bereits unter anderem in BONNIE & CLYDE, als „Che“ in EVITA, in ROMEO UND JULIA und in DAS WUNDER VON BERN.
Für seine Leistung wurde Philipp Büttner bereits mehrfach ausgezeichnet: 2013 konnte er sich das Stipendium des Deutschen Bühnenvereins sichern und belegte außerdem den 1. Platz beim Bundeswettbewerb Gesang in Berlin.

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DER CLUB DER TOTEN DICHTER eröffnet 70. Festspielsaison

Zum ersten Mal wird auf einer europäischen Bühne DER CLUB DER TOTEN DICHTER nach dem Oscar-prämierten Film von Peter Weir als Schauspiel gezeigt. Intendant Joern Hinkel inszeniert selbst und eröffnet mit dem Drama um den lustvollen Zugang zur Sprache und die Macht der Poesie die 70. Bad Hersfelder Festspiele.

Joern Hinkel ist es gelungen, die Rechte für die europäische Uraufführung des Hollywood-Erfolges zu bekommen: „Das Theaterstück, das Oscar-Preisträger Tom Schulman selbst auf Grundlage seines Drehbuchs verfasste, wurde bisher ausschließlich in den Vereinigten Staaten gezeigt. Für die europäische Uraufführung schreibe ich in Zusammenarbeit mit Tom Schulman eine eigene Fassung für die große Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine.“

 



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GOETHE! Musical-Uraufführung in der Stiftsruine

GOETHE - endlich würdigt ein Musical den Dichterfürsten, und die Uraufführung findet in der Stiftsruine in Bad Hersfeld während der 70. Bad Hersfelder Festspiele statt!

Gil Mehmert hat uns gerade mit HAIR begeistert und sich nun des Stoffes auf Basis des Kinofilmes von Philipp Stölzl aus dem Jahre 2010 angenommen und wird das Musical auf die Bühne der Stiftsruine bringen. Er hat das Buch geschrieben, Martin Lingnau und Frank Ramond liefern Musik und Text dazu. Dieses sehr erfolgreiche Produktionsteam entwickelte zum Beispiel auch für Stage Entertainment das Musical DAS WUNDER VON BERN, das 2014 im Stage Theater an der Elbe in Hamburg seine Weltpremiere feierte und dort bis 2017 gespielt wurde.

Das Autorenteam hat sich bewusst für die frühe Lebensphase des großen Dichters Goethe entschieden: „Den Titelheld erleben wir in dieser Geschichte nicht als etablierten Klassiker, sondern als jungen Poeten in seiner Sturm-und-Drang-Phase, als einen Pop-Künstler, der um seinen Ausdruck ringt. Die Erzählweise orientiert sich an vergleichbaren halbfiktiven Künstler-Portraits wie SHAKESPEARE IN LOVE oder AMADEUS und konzentriert sich damit auf eine besonders spannende und dramatische Episode des Protagonisten, die seinen interessanten Charakter einerseits treffend einfängt, aber eben doch überraschende Seiten zeigt und Unbekanntes aufdeckt.“

In Kooperation mit der Stage Entertainment.

 

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Gefördert von Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien" title="Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst Landkreis Hersfeld-Rotenburg Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld

Intendant Joern Hinkel

Vorwort des Intendanten Joern Hinkel

Liebe Festspiel-Besucherinnen und -Besucher,

die Bad Hersfelder Festspiele feiern 2020 ihre 70. Spielzeit – mit zwei Uraufführungen und einem großen deutschsprachigen Dramatiker, dessen Werke bisher noch nie in der Stiftsruine zu sehen waren. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit zwei Inszenierungen, die in den vergangenen Spielzeiten besonders erfolgreich und beliebt bei unseren Zuschauern waren.

Dabei stelle ich mir immer wieder die Frage, was für einen Wert ein Wort heute überhaupt noch hat. Ich habe das Gefühl, dass zunehmend mehr Worte gebrochen als gehalten werden. Dass immer mehr Worte in der Vielstimmigkeit der permanenten Kommunikation zu Worthülsen verblassen. Dass Worte nur noch als Lautmalereien ohne Bedeutung oder Konsequenz gesprochen oder geschrieben werden. Dabei haben Worte immer eine Wirkung, beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Worte sind keine „Wegwerf-Ware“, die man, einmal benutzt, entsorgen kann. Denn Worte sind immer Äußerungen von Gedanken.

Ist es ein Anzeichen von Gedankenlosigkeit, wenn Gefühle per Handy-Knopfdruck oder im Internet durch Symbole ausgedrückt werden? Mangelt es an Mut, Aufrichtigkeit oder schlicht an Zeit, wenn wir, anstatt einen Satz wie „Ich liebe Dich“ auszusprechen oder zu schreiben, ein Einheits-Herz versenden? Oder ein weinendes Gesicht? Drohen Zuneigung, Trauer, Anteilnahme tatsächlich im Zeitalter der Sprachlosigkeit unterzugehen? Interessanterweise wird bei Klagen, Beschimpfungen und Verleumdungen viel eher ausformuliert, als bei Gefühlsbekunden. Ein Daumen hoch – das muss doch reichen!

Wohin steuern wir aber, wenn die Menschen zunehmend mittels Zeichensprache und in abgekürzte Phrasen miteinander kommunizieren? Selbst Nachrichten werden häufig nur noch auf die Schlagzeile reduziert wahrgenommen. Wenn es nur noch Hauptsätze, aber keine Nebensätze mehr gibt, die mit einem „dennoch“, einem „trotzdem“ oder „obwohl“ beginnend das Gegenargument zum Hauptgedanken liefern? Sinnzusammenhänge werden verkürzt, vereinfacht, geradezu verfälscht. Wenn die Sprache verroht, verrohen die Gedanken? Verrohen die Menschen? Oder ist die Verkürzung der Sprache ein Anzeichen von wachsender Gedankenlosigkeit?

Unsere Stücke legen aber nicht nur Finger in Wunden, sondern suchen auch nach Möglichkeiten, die Sprachlosigkeiten zu überwinden. Erich Kästner, George Bernhard Shaw, Tom Schulman oder die Autoren des Musicals GOETHE!, sogar Ödön von Horváth, vermutlich gesunde Skeptiker allesamt, sind - jeder auf seine Weise - Optimisten. Sie wollen bei all den dunkel eingefärbten Schattierungen ihrer Geschichten immer entzünden, begeistern und Mut zusprechen: Carpe Diem! Nutze den Tag! Sapere Aude! Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!

In DER CLUB DER TOTEN DICHTER animiert der neue Lehrer seine Schüler dazu, nicht vorgekautes Wissen unreflektiert zu wiederholen, sondern sich eigene Gedanken zu machen und diese zu formulieren. Indem sie schreiben, erfahren seine Schüler mehr über sich selbst und die Welt, als im stumpfen Auswendiglernen. Sie nähern sich, indem sie sich auf die Poesie einlassen, den ewigen Fragen: Wer bin ich? Was will ich? Soll ich so leben, wie es mir meine Eltern, meine Vorgesetzten vorschreiben, oder eigene Wege beschreiten?

Wohin der Missbrauch von Worten führt, beschreibt Horváth in seiner ITALIENISCHEN NACHT. Ein Paradebeispiel über die Verführbarkeit von Menschen, aber auch über ihre Unfähigkeit, in unsicheren Zeiten klare Gedanken zu fassen und zu äußern. Lieber schweigen Horváths Figuren, bevor sie in Gefahr geraten, etwas zu sagen, was ihnen zum eigenen Nachteil ausgelegt werden könnte.

Der junge GOETHE, irritiert durch die eindimensionale Deutung und Anwendung der Gesetze, die er in seinem Jurastudium pauken muss, ringt um neue Ausdrucksmittel, seine widersprüchlichen Gefühle in Worte zu fassen – und trifft damit den Geist einer ganzen Generation. Er stößt die Pforten zu einer neuen literarischen Epoche auf.

Ich wünsche unseren Zuschauern anlässlich des neuen Festspiel-Jahrzehnts eine mitreißende Saison und hoffe, dass sie viele Erinnerungen an außergewöhnliche Theatererlebnisse mit nach Hause nehmen können.

Joern Hinkel

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